Bei Wind und Regen

25.08.19

Als ich an diesem Morgen die Augen auschlug, hörte ich den Regen wild aufs Zelt prasseln. Am liebsten wäre ich garnicht aufgestanden. Ich wusste nämlich was uns blühte: Im kalten Regen alles zusammenräumen und dabei selbst pitschnass werden. Es blieb uns jedoch nichts anderes übrig nach dem Motto, Augen zu und durch. Wir nahmen uns als Tagesziel vor, bis zum Abend die Schwedische Grenze zu passieren. Eingepackt in wetterfester Montur, verliessen wir den Tengelfjord und machten uns auf zur Hauptstrasse. Durchnässt erreichten wir diese und versuchten auch gleich mitgenommen zu werden. Nach kurzer Zeit nahmen uns zwei Norweger für gut 30 Kilometer mit und liessen uns bei Wind und starkem Regen irgendwo an einer kleinen Bushaltestelle raus, mit dem Tipp von hier aus doch den Bus nach Narvik zu nehmen. Wir zogen dies trotz dem Unwetter nicht ernsthaft in Erwägung, aus reiner Neugier warfen wir dennoch einen kurzen Blick auf den Fahrplan: mehr als 3 Stunden Wartezeit! So blieb keine andere Wahl als uns an die Strasse zu stellen. Der Wind blies stark und es schüttete aus Kübeln, doch noch frohren wir nicht und nahmen die Situation mit Humor. Nass bis auf die Socken standen wir also da am Strassenrand, der nicht eine besonders gute Anhaltemöglichkeit bot und hofften auf ein wenig Mitleid. Einige Autos und Camper zogen ohne Reaktion vorbei. Doch nach 10 Minten hatte doch jemand Mitleid. Roy fuhr glücklicherweise bis nach Narvik (Stadt am Anfang der Lofoten). So konnten wir uns knapp zwei Stunden lang im Auto aufwärmen. Als wir die ersten Worte mit Roy wechseltet, fiel mir etwas ungewöhnliches auf. Roy sprach ausgesprochen ruhig und langsam, auch seine Körpersprache unterstrich dies. Er erzähle uns nach längerem Quatschen, dass bei ihm mit 28 Jahren die Diagnose für eine spezielle Form von Parkinson gestellt wurde. Mittlerweile ist er 48 und nimmt täglich ein Medikament dagegen ein. Das Medikament lässt ihn langsam sprechen und agieren. Trotzdem hilft es ihm, die Krankheit im Zaum zu halten, so kann er trotz Parkinson ein ganz normales Leben führen. Wir haben Roy in der kurzen Zeit ins Herz geschlossen und verabschiedeten uns kurz vor Narvik, wo unsere Wege sich trennten. Der Regen schien an diesem Tag nicht zu stoppen, so buchten wir vorsichtshalber ein Zimmer bereits nach der Schwedischen Grenze in Abisko. Das letzte Stück nahm uns ein junges norwegisches Paar mit, die zum Einkaufen nach Schweden fuhren, wo es anscheinend um einiges günstiger ist als in Norwegen. So kamen wir abends erschöpft aber doch zufrieden in Abisko an, denn das Tagesziel war erreicht und ein warmes Bett wartete auf uns.

Eine triste aber doch spannende Durchfahrt..

Hinterlasse einen Kommentar